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18.01.2018 PAPA-GLÜCK & COMEBACK - Pfeffer greift bei Lok wieder an
ANDRÉ SCHMIDT
Sechs bis acht Wochen sollte es dauern. Raus kam eine Pause von fast fünf Monaten. Doch nun ist FC Lok-Regisseur Sascha Pfeffer (31) zurück.


„So schnell wie möglich möchte ich jetzt in einen guten Fitnesszustand kommen. Denn nur mit 100 Prozent kann ich der Mannschaft wirklich helfen“, sagt er.

Ein paar Prozent weniger reichten schon mal, um im Test zuletzt in Markranstädt (8:0) mit fünf Torvorlagen zu glänzen. Pfeffer: „Aber dieses Spiel sollte man wirklich nicht überbewerten.“

Der Lok-Königstransfer (kam vom Halleschen FC) hatte sich gleich im zweiten Spiel im August schwer am rechten Knie verletzt. Zunächst wurde zwar nur ein Meniskuseinriss vermutet, dann doch ein Knorpelschaden 4. Grades (Fehlen der gesamten Knorpelschicht bis zum Knochen) festgestellt.

Pfeffer: „Das brauchte viel Zeit und Geduld. Aber ich habe in dieser Zeit nichts verlernt, richtig Bock auf Fußball.“

Seine Familienplanung hat er in der fußballlosen Zeit auch forciert. Im April erwartet Ehefrau Jenny nach Fynn Oskar (3) das 2. Kind. Pfeffer: „Es wird ein Mädchen.“
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16.01.2018 WIE RÜDIGER HOPPE BEIM 1. FC LOK LANDETE - Vom Schweißer zum Sportdirektor
ANDRÉ SCHMIDT
Am Saisonende läuft ein Großteil der Spielerverträge beim 1. FC Lok aus. Auch der Kontrakt von Rüdiger Hoppe (48), Sportdirektor, Co-Trainer und starker Mann im Hintergrund, endet am 30. Juni.


Trainer Heiko Scholz (52), der mit Hoppe in einer WG in Großpösna wohnt, will ihn gern halten. Und Hoppe bleiben: „Als zweiter Mann, der vieles weiß, der vieles hört, da bin ich gut aufgehoben. Ich möchte aber gern zeitnah Klarheit haben.“

Doch wer ist dieser Hoppe eigentlich?

Der Leverkusener spielte im Nachwuchs von Bayer, schaffte aber nicht den Sprung zu den Profis. Hoppe: „Ich war eben nie der Schnellste, vielleicht auch bisschen zu faul.“ Mit 17 ging es zu Bergisch Gladbach. Hoppe: „Doch dann hat die Ausbildung angefangen, dann hast du auch mal keine Lust gehabt, wie das so ist...“

Sein Beruf ging letztlich vor. Knapp 22 Jahre arbeitete er bei der Bayer AG als Schweißer, coachte nebenbei unterklassige Klubs wie Burscheid.

Dann kam doch die Chance, sein Hobby zum Beruf zu machen. „Matthias Mink, mit dem ich mal beim B-Lizenzlehrgang auf einem Zimmer lag, hat mich bei Fortuna Köln 2007 zum Co-Trainer gemacht.“

Der Weg zu Heiko Scholz, der gleich nebenan bei Viktoria Köln arbeitete, war dann ein kurzer. 2011, als sein Vertrag bei Fortuna endete, half ihm Hoppe bereits als Scout. Drei Jahre später folgte er ihm zu Lok. Hoppe grinst heute, wenn er sich erinnert: „Als ich beim ersten Mal bei Lok war, habe ich die Hände über den Kopf zusammen geschlagen und gesagt: Mensch Scholle, wo arbeitest du denn? Sie haben mich aber gekriegt, als 800 Fans die Mannschaft trotz Abstieg gefeiert haben.“
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11.01.2018 VERTRÄGE, SPENDEN - Es stockt bei Lok
ANDRÉ SCHMIDT
1000 Euro für ein Abendessen mit Cheftrainer Heiko Scholz (52)? Oder 3000 Euro für ein Freundschaftsspiel?


Die Prämien, mit denen der 1. FC Lok für sein Crowdfounding-Projekt wirbt, sind durchaus außergewöhnlich. Und dennoch wird es schwer, die avisierte Summe von 100 000 Euro zu erreichen, mit denen der neue Kunstrasen mitfinanziert werden soll.

Noch sind es zwar 38 Tage bis zum Ende der Aktion. Aber es stehen eben auch nur erst knapp 17 000 Euro an Spendengeldern zu Buche.

Fest stecken auch die Vertragsverhandlungen mit den Spielern. Zeitnah soll zwar zunächst mit Benjamin Kirsten, Paul Maurer, Nils Gottschick und Peter Misch verlängert werden. Aber noch steht das Budget für die nächste Saison nicht fest.

Freitag (18.30 Uhr) testet Lok in Markranstädt.
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06.01.2018 HALPLUS-CUP - Lok Dritter bei HFC-Sieg
Lok scheitert, der HFC feiert. Beim Halplus-Cup vor 1250 Fans in der ausverkauften Erdgas-Sportarena in Halle holte sich der 1. FC Lok Leipzig durch drei Erfolge gegen Lieskau (4:0), die HFC-Oldies um Dariusz Wosz und Daniel Ziebig (3:0) und Farnstädt (3:1) den Gruppensieg, putzte Nietleben im Viertelfinale 4:0.

Gegen Jena im Halbfinale nutzte Lok erst eine Zwei-Minuten-Strafe gegen den Drittligisten nicht zum Ausgleich. Als Robert Berger doch zum 1:1 eingrätschte, drehte Dietz den Siegtreffer 16 Sekunden vor Schluss ins Netz.

Im Neunmeterschießen (3:1) gegen Dölau sprang Platz drei heraus. Beste Torschützen waren die spielstarken Malone, Maurer sowie Lorincak (alle 3 Tore).

Halle überzeugte dagegen über das gesamte Turnier. Nach Siegen gegen Dölau (2:0), Jena (3:0) und Nietleben (3:0) war das souveräne Viertelfinale gegen Lieskau gebucht.
Dort hieß es 4:0, im Halbfinale gegen Dölau 5:1. Neben schönen Kabinettstückchen von Stefan Kleineheismann war Hilal El-Helwe als bester Turnier-Torjäger mit sieben Toren der Sieggarant.

Er ballerte auch im Finale das 1:0 gegen Liga-Konkurrent Carl Zeiss, ehe Jena den HFC beim 1:1 kurz vor Schluss schockte. Doch Ersatztorwart Michael Netolitzky parierte den entscheidenden Neunmeter von Dietz mit den Füßen zum Cup-Sieg, der 250 Euro und einen Kasten Bier bringt.
Leipziger Volkszeitung
04.01.2018 Sascha Pfeffer steigt heute ins Lok-Training ein
Getrennt, aber doch vereint. So könnte das Motto lauten, mit dem der 1. FC Lok Leipzig gestern wieder ins Training eingestiegen ist. Denn während sich ein Teil des Regionalliga-Teams den Ausläufern des Wintersturmes „Burglind“ stellte, hechelte in der Soccerworld der andere Teil übers Plastegrün. Heute werden dann die Rollen getauscht. Die, die draußen waren, gehen nach drinnen und anders herum.
Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Probstheidaer haben keinen Kunstrasen. Noch nicht. Zwar liegt der Belag schon in der frisch sanierten Trainingshalle ausgerollt und granuliert bereit, aber abgeschlossen sind die Arbeiten in der Halle noch nicht. Das erfolgt Mitte Januar.

Der auf Platz eins im Bruno-Plache-Stadion avisierte Kunstrasen soll bis Ende des Jahres bespielbar sein. Etwa eine Million Euro wird der kosten. Der Fördermittelbescheid vom Land Sachsen in Höhe von 300 000 Euro ist schon da, 500 000 Euro kommen von der Stadt Leipzig. Und dennoch muss der Verein 180 000 Euro selbst stemmen. 100 000 Euro sollen mittels Schwarmfinanzierung eingespielt werden. Partner dafür ist die Unternehmensgruppe, die unter einem schlichten L firmiert und Leipziger Gruppe heißt. Gemeint ist der Verbund aus Verkehrsbetrieben, den Stadt- und den Wasserwerken.
Die Leipziger Gruppe bietet Vereinen über ihre Crowdfunding-Plattform die Gelegenheit, ordentlich zu trommeln. Allen Geldgebern winken Prämien – je nach Höhe der Spende. 60 Tage hat Lok Zeit das Geld einzusammeln – bis zum 18. Februar. Wird die 100 000-Euro-Summe nicht geschafft, geht das bereits eingegangene Geld wieder an die Spender zurück. Dafür sorgt der Treuhänder L. Da muss in den kommenden 45 Tagen noch einiges passieren. Denn bisher bringen es 154 Unterstützer auf knapp 13 000 Euro.
Zurück zum Training der Loksche: Heute steigen nach langer Verletzungspause Sascha Pfeffer und Christopher Hanf wieder ein. Auch Benjamin Kirsten ist mit von der Partie. Maximilian Pommer und Steffen Fritzsch sind noch in der Reha.
bly
Leipziger Volkszeitung
03.01.2018 Kessel des 1. FC Lok wird wieder angeheizt
Schluss, aus, vorbei. Heute müssen die Lok-Jungs wieder an die Stanze, respektive bei den Chefs Heiko Scholz und Rüdiger Hoppe in Probstheida vorstellig werden. Aber ganz so aus der Kalten kommen die Regionalliga-Fußballer der Blau-Gelben nicht. Was weder was mit Südsee noch mit Sauna zu tun hat.
Jeder Spieler hatte neben Ente, Gans & Karpfen auch Hausaufgaben auf dem Weihnachtstisch. Anhand der Laktat-Ergebnisse aus der Saisonvorbereitung bekam jeder Kicker von Hoppe ein unverwechselbares Programm serviert.

Et voilà! Vier Laufeinheiten mussten in den vergangenen 17 Tagen individuell absolviert werden. Zweimal eine Unterrichtsstunde lang, einmal 60 und einmal 40 Minuten. Hübsch im Wäldchen oder Park. Quasi unbeobachtet. Nicht ganz: Hoppe hat die Peilsender, also die Fitnessuhren seiner Spieler, ausgelesen. „Sie waren alle fleißig“, sagt der sportliche Leiter des 1. FC Lok.
Dabei geht es für die Fußballer gleich in die Vollen. Heute und morgen wird der Kader zweigeteilt. Die einen müssen die Wahrheit auf dem Platz suchen, die anderen auf dem Plastegrün in der Soccerworld. Freitagabend kicken die Herren dann in Halle beim Halplus-Cup, ab Sonnabendmittag stehen sie in Markranstädt beim Ur-Krostitzer Masters auf der Platte.
Da werden die Socken mächtig qualmen, was aber nicht heißt, dass die Füße danach wieder hochgelegt werden können. Bei Lok wird ohne Pause bis zum Nachholespiel gegen den ZFC am 27. Januar durchgezogen. Fünf Tests stehen zudem auf dem Programm.
bly
Leipziger Volkszeitung
24.11.2017 Die Büchse der Pandora
Die Derby-Fratze weiter präsent / Platzsturm von Ultras war geplant / Bei Chemie bezahlen die Fans

Leipzig. Mit Bildern von Bengalos und Böllern, einem riesigen Polizeiaufgebot mit Wasserwerfern haben es der 1. FC Lok Leipzig und die BSG Chemie deutschlandweit in die Schlagzeilen geschafft. Und mit dem 101. Derby unweigerlich einen Reflex bedient, gegen den die beiden Traditionsvereine aus Probstheida und Leutzsch, die nicht gerade auf Rosen gebettet sind, seit Jahren arbeiten. Die Derby-Bilder aus den 90er-Jahren mit Spielfeldstürmungen, Massenschlägereien, Hetzjagden und weiteren Nebengeräuschen sollten eigentlich in der Büchse der Pandora bleiben. Das Thema hat Spuren hinterlassen, bei beiden Vereinen. Der Tag danach.

„Ich bin entsetzt über diese Qualität der Randale. Ich dachte, dass hätten wir hinter uns gebracht“, erklärte Alexander Voigt. Das Mitglied des Präsidiums von Lok Leipzig hat auch keine Worte für die Leute, die die Spielunterbrechungen provoziert hatten. Dabei sei es irrelevant, welche Seite womit angefangen habe. „Es ist krank, mir fehlt die Argumentationskette. Von den Leuten, die das machen, interessiert niemanden die gute Arbeit, die wir im Verein machen“, sagt der 40-Jährige. Heute ist eine Krisensitzung bei den Probstheidaern anberaumt. „Wie sollen wir das in Zukunft in den Griff bekommen. Spielen wir dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit?“, gab sich Voigt, der seit zwei Jahren bei Lok dabei ist, desillusioniert. So wie andere Mitglieder des Präsidiums auch.

Das Derby war als Sicherheitsspiel der Kategorie I spezifiziert. Ein Staatsanwalt war vor Ort, 650 Polizisten, 150 Sicherheitskräfte der Blau-Gelben. Tage zuvor gab es Streifen, einen Stadionwachdienst. So wurden bereits Dinge beräumt, die deponiert wurden.

Nach dem versuchten Platz- und Blocksturm auf der Gegengerade stellte sich heraus, dass die Zäune vorab mit der Flex bearbeitet wurden. „Es gab die gezielte Absicht den Block zu stürmen“, sagte Voigt. Die Polizei verhinderte das, versuchte die maskierten Täter festzumachen. Die sollen zurück in die Fankurve 1966 geflohen sein. Deswegen wurde der Block nach der Partie auch von der Polizei abgeriegelt, um die Identitäten der Leute festzustellen.

Dass Lok am Sonntag (13.30 Uhr) daheim gegen den BAK spielt, spielt derzeit eine untergeordnete Rolle.
Auch bei der BSG Chemie werde man sich mit den Vorfällen vom Derby noch befassen, sagt Pressesprecher Jörg Augsburg. Am Montag tagt der Vorstand. Was den finanziellen Aspekt der möglichen Strafe angeht, kann Chemie allerdings (relativ) entspannt sein. Strafen übernehmen in Leutzsch traditionell die Fans, ganz nach dem Verursacher-Prinzip. Galt auch schon für die 2000-Euro-Strafe vom Match gegen Zwickau. Dass die Fans in Leutzsch diesmal so „günstig“ davonkommen, scheint allerdings mehr als fraglich.

Ganz entspannt gab sich gestern Dietmar Demuth. „Das ist alles abgehakt, bei mir geht so etwas schnell“, antwortete der Chemie-Trainer auf die Frage, ob ihn das Match und vor allem die Bier-Attacke (Demuth wurde bei der Pressekonferenz mit Bier bekippt und beschimpft) noch sehr beschäftigt. „Es gibt nach so einem Match immer nur eine kurze Nachbetrachtung. Entweder du ärgerst dich oder du ärgerst dich nicht. Und dann wird auch schon wieder ans nächste Spiel gedacht. Vor allem an die Frage, was muss besser laufen?“ Geärgert hat er sich über das Ergebnis am Mittwoch nicht. „Der Punkt ist für die Moral wichtig und tut auch unseren Fans gut.“ Was fürs nächste Spiel (Sonntag, 13.30 Uhr, daheim gegen Hertha II) besser werden muss, sei ja auch klar. „Wir müssen das Tor treffen.“

Dann ist da noch die Bier-Geschichte. Und die scheint doch noch nicht ganz abgehakt. „Dass man beim Fußball mit Bier bekippt wird, passiert schon mal. Wenn man durch die Fans geht. Ich kenne das aus St. Pauli, Uli Hoeneß hat da auch mal eine Dusche abgekriegt. Aber in einem VIP-Raum sollte das nicht passieren“, sagt Dietmar Demuth. Und wirkt irgendwie überrascht, dass er in seiner langen Trainerkarriere doch immer noch etwas eues erlebt.
ALEXANDER BLEY UND UWE KÖSTER
Leipziger Volkszeitung
23.11.2017 „Latte“-Show in Probstheida
Chemie-Keeper pariert im Derby gegen Lok Leipzig glänzend und luchst seinem Ex-Club Punkt ab
Leipzig. Die große Frage gestern vor Anpfiff des Leipziger Derbys Nummer 101: Wo bleibt Chemie? In der Tat, während sich die Spieler von Lok Leipzig bereits im Bruno-Plache-Stadion aufwärmten, war nix von den Gästen zu sehen. Erst 13.30 Uhr kamen die Grün-Weißen am Kabinentrakt der Probstheidaer an. Zu Fuß. Dietmar Demuth flog da bereits der Pfropfen vom Kessel. „Ein Unding, Organisation ungenügend“, regte sich der BSG-Trainer auf. Der Chemie-Teambus wurde irrtümlich bei der Anfahrt falsch geleitet, es ging 30 Minuten nicht vorwärts, sodass Demuth und seine Spieler über den Gästeeingang mit den Fans ins Stadion einliefen. Infolge der Verspätung wurde der Anpfiff um zehn Minuten verschoben.

Nicht der einzige Zwischenfall eines wahrlich nicht ereignisarmen Matches. Bengalos, Böller, Spielunterbrechung, massiver Polizeieinsatz, Wasserwerfer im Stadion – das wird kosten. Dabei sprach das Sportgericht des Sächsischen Fußballverbandes gestern erst der BSG eine Geldstrafe für unrühmliches Verhalten der Fans im Sachsenpokal gegen den FSV Zwickau aus. Chemie muss 2000 Euro zahlen, Zwickau sogar 7500 Euro.

Zum Spiel: Lok kam mit Dampf. Gleich in der ersten Minute der Partie versuchte Peter Misch, den Ball in die Maschen zu rammen. Nach Ecke konnte die BSG nicht klären. Julien Latendresse-Levesque rettete seinen Männern den Hintern, parierte glänzend. Latendresse-Levesque? Da war ja was. Vier Jahre stand der 26-Jährige bei Lok zwischen den Pfosten. Dementsprechend „freundlich“ der Empfang im Plache-Stadion.
Grün-Weiß zeigte sich in Minute drei das erste Mal vor dem Lok-Gebälk. Der Freistoß von Alexander Bury aus 30 Metern Entfernung wäre im American Football ein Field Goal gewesen. Mehr gab es nicht. Bekanntermaßen hat Chemie ein Stürmerproblem, spielt sich zwar vor den gegnerischen Kasten, kommt aber nicht zum Abschluss.

Da sah es auf der gegnerischen Seite anfangs anders aus. Nach Sahnepass von Paul Maurer stürmte Djamal Ziane auf „Latte“ zu. Der parierte Ziane Sahne (10.). Infolge verflachte das Spiel. Bis zu einem Raunen der 6381 Fans starken Kulisse in der 25. Minute. Innerhalb weniger Sekunden wurden auf dem Rasen die Stollen ausgefahren, entfacht von Chemie, beendet von Lok. Fünf Mal gab es da auf die Ruten. Markus Krug und Alexander Bury sahen für ihre Einlage Gelb. Dass es im Aufeinandertreffen der Leipziger Regionalligisten nicht zimperlich zugehen würde, war vor der Partie schon klar. Torchancen gab es bis zum Halbzeitpfiff keine mehr.

Nach Wiederanpfiff ging es wieder nicht um Fußball, sondern um Zündelei. In der 48. Minute unterbrach Schiedsrichter Ronny Müller das Spiel. Nach gut zehn Minuten Pause konnte es wieder um den sportlichen Kampf auf dem Feld gehen. „Bei der Brisanz des Derbys mussten wir mit allem rechnen“, sagte Loks Robert Zickert. „Zum Glück eskaliert das nicht komplett. An so etwas hängt die Zukunft des Vereins“, ärgerte sich der Innenverteidiger. Die Chemiker hatten die Unterbrechung besser weggesteckt, eroberten sich auf dem Rasen wieder mehr Anteile. Aber das gleiche Spiel wie in der ersten Hälfte: Wirkliche Gefahr vor dem gegnerischen Kasten strahlten sie nicht aus.

Die Probstheidaer tauchten zwar ebenfalls nicht oft vor des Gegners Kasten auf. Dafür aber brandgefährlich. In der 57. Minute hatte Blau-Gelb die Führung dreifach auf dem Fuß. Erst wurde Ryan Malones Fackel vom 16-er (aus dem Stand!) von „Latte“ an die Latte pariert. Der rettete darauf gegen Marcel Trojandt. An Zianes Nachschuss bekam der Ex-Lok-Keeper auch noch seinen Fuß dran. „Dafür haben wir ihn geholt, wir wollten die Null halten, das hat er geschafft“, lobte Chemies Trainer Dietmar Demuth.
ALEXANDER BLEY
Leipziger Volkszeitung
21.11.2017 Ex-Lok-Hüter steht bei Chemie im Tor
Trotz anderer Absprache hält Julien Latendresse-Levesque

LEIPZIG. Na bitte. Kurz vor knapp fängt die Derby-Suppe doch noch an, heiß zu werden. Dank BSG-Trainer Dietmar Demuth (62), der gestern im Diagnostik-Zentrum Spoorth auf der Eisenbahnstraße die Lok mal kurz vom Gleis stellte. „Ich muss Latendresse bringen. Unser zweiter Hüter Marcus Dölz arbeitet im Süden Deutschlands und kann nur einmal trainieren“, sagte Demuth. Da blieb Heiko Scholz (51) vom 1. FC Lok der Kaffee im Hals stecken. Verdutzt antwortete er: „Das ist schwierig. Abgemacht war, dass er auf jeden Fall nicht hält.“

Et voilà! Julien Latendresse-Levesque sorgt für den nächsten Zwist zwischen den beiden Leipziger Traditionsvereinen Lok und BSG, die morgen im Bruno-Plache-Stadion (14.05 Uhr) zum 101. Mal aufeinandertreffen. „Latte“ war vier Jahre lang Hüter bei den Blau-Gelben, wechselte diesen Sommer trotz bestehenden Vertrages zur Konkurrenz nach Leutzsch. Chemie zahlte 6000 Euro. Bei der Ablöse wurde für das Hin-und Rückspiel der Rivalen dieser Saison vereinbart, dass der 26-Jährige nicht zum Einsatz kommt.
„Irgendwann muss ich anfangen, ihn im Derby zu bringen“, sieht Demuth keine andere Option. „Es war ein Agreement, das ist Wortbruch. Wir haben kein Verständnis dafür“, zeigte sich Lok-Geschäftsführer Martin Mieth verärgert. Einzig bei Krankheit oder Verletzung sollte „Latte“ ran dürfen. Auch beim gemeinsamen Essen der Vereinsvorsitzenden von Lok und Chemie hat das Thema eine Rolle gespielt. Lok-Chef Thomas Löwe hofft noch auf späte Einsicht.

Zum Spiel: Während die Probstheidaer schon beim BFC Dynamo (1:3) zur großen Rotation ansetzten und Körner sparten, ließ die BSG beim Anrennen gegen Neugersdorf (0:1) Körner. „Fürs Derby ist mir nicht bange, da werden noch mal Kräfte freigesetzt“, sagt Demuth. Bei Lok auch, „Latte“ im gegnerischen Tor ist Ansporn genug.
Zum Drumherum: Erwartet werden 7000 Fans. Die Kassen (nur Kombi-Tickets) werden 11.30 Uhr geöffnet, das Stadion 12 Uhr. Während die Anhänger der Blau-Gelben vom Völkerschlachtdenkmal gen „Plache“ ziehen, setzen sich die Leutzscher eben dort in Bewegung und kommen per Pedes von Süden. Die Connewitzer Straße wird für den Verkehr gesperrt. Mit weiteren Einschränkungen im Umfeld ist zu rechnen.
ALEXANDER BLEY
Leipziger Volkszeitung
21.11.2017
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